Monday, 7 October 2013

Musik

Ich bin noch nicht mal drei Wochen hier in Berlin, habe aber das Gefühl schon immer hier gewesen zu sein. Mein Job bei EuropaBeratung Berlin macht mir Spaß, meine Wohnung in Mitte ist einfach perfekt und ich fühle mich wie zuhause. Das einzige was ich mir wünschen könnte, ist dass ich gerne mehr Leute kennen würde, vor allem Berliner- es ist nicht besonders einfach Leute kennen zu lernen in einer fremden Stadt. Wenn man an der Uni ist, dann sind alle in der selben Position und es ist natürlich und auch einfach Freundschaften zu schließen. Bisher habe ich mich ausschließlich mit Bekannte aus Oxford getroffen und mit meiner alten Freundin Rebecca, die auch alle in Berlin wohnen.

Worüber ich eigentlich schreiben wollte, ist die Musik, die ich bisher hier gehört habe. Ich habe schon mehrere Straßenmusiker gehört, die ich richtig toll fand. Unter der S-Bahn Brücke bei Alexanderplatz habe ich diesen Sänger mit seiner E-Gitarre gehört (links)- seine Stimme erinnerte mich an den Hauptsänger von Radiohead, Thom Yorke, und noch besser war, wie er die Gitarre spielte- einfach elektrisch! Leider hörte er auf zu spielen ziemlich bald nachdem ich angefangen hatte ihm zuzuhören, aber vielleicht werde ich ihn ja irgendwann mal wieder sehen!

Letzten Sonntag bin ich morgens spazieren gegangen- es war ideal! Die Sonne schien und es waren viele Leute unterwegs. Unter der S-Bahn Brücke bei Hackescher  Markt spielte ein Trompeter ganz entspannt vor sich hin und ich habe mich ein bisschen hingesetzt, um ihm zuzuhören. Von da aus konnte ich auch die Museumsinsel sehen und auch die Spree- auf dem Wasser glitzerte die Sonne und ich hätte Stundenlang da sitzen können. Es kamen auch andere an dem Trompeter vorbei, eine Frau hat ihm wohl erzählt, dass es ihr Geburtstag war, also hat er angefangen die "Happy Birthday" Melodie zu spielen- die Frau hat sich sehr gefreut!

Am Mittwoch war ich mit ein paar Freunden im A-Trane. Der Jazzclub ist einer der berühmtesten in Europa, und wurde mit dem Live Entertainment Award in 2011 als "bester Jazzclub Deutschlands" ausgezeichnet. Es war ziemlich teuer, aber es hat sich gelohnt- die Musik und die Atmosphäre waren super! Ich war mir nicht sicher, wie die Musik sein würde- ich liebe Jazz, aber das Konzert zu dem wir gegangen sind, hörte sich ziemlich abstrakt an! Dieter Ilg, der Kontrabassist, hat eine Adaption von Wagners Oper "Parsifal" geschrieben und hat sie mit seinem Trio im A-Trane vorgeführt. Rainer Böhm hat Klavier gespielt und Patrice Heral war auf dem Schlagzeug. Das Konzept hört sich zwar sehr komisch an, war aber sehr gut gelungen! Öfters konnte man Wagners Influenz kaum merken- viele stellen waren wie traditioneller Jazz, was mir gefällt. Aber die besten Stellen waren als die Musik leiser wurde, vor allem wenn es ein Klaviersolo gab- leider kenne ich mich mit Wagner nicht so gut aus, und kenne auch seine "Parsifal" Oper nicht, aber ich kann es mir vorstellen, dass die eindringliche und bewegende Melodien in den leiseren Stellen, direkt von der Oper genommen wurden. Ich habe mir die CD von Dieter Ilg gekauft, also vielleicht werde ich diese Melodien mit der originalen Oper vergleichen können. Da ich auch Wolfram von Eschenbachs "Parzival" studiere, glaube ich, dass die Jazz CD mich inspirieren wird, mich mehr mit dem mittelhochdeutschen Text auseinanderzusetzen. Als ich im Konzert war, glaubte ich auch mehrere Elemente von der Geschichte in der Musik zu hören- diese leisen, fast gequälte Stellen, die mir besonders gut gefielen, haben mich an Parzivals Identitätskrise und Gefühle der Nichtzugehörigkeit erinnert. Vielleicht waren dann die großen, jazzigen Stellen über die Kampfszenen? Jedenfalls fand ich die Musik inspiriert und anregend. Auch die Beziehung zwischen den Musikern als sie spielten war toll- manchmal war es fast so, als ob sie miteinander tanzten während sie spielten. Sie waren Teil eines Ganzen, statt individuelle Musiker. Sie reagierten immer auf einander, als ob die Musik ein Gespräch zwischen ihnen war- so sollte Jazzmusik sein!

Diese Erfahrungen haben mich zu dem Entschluss geführt, mich an der Jazzschule Berlin anzumelden. Ich habe schon sehr lange Jazzmusik geliebt und habe immer den Wunsch gehabt, selber Jazz spielen zu können, trotzdem habe ich bislang fast ausschließlich klassische Musik gemacht, was mir zwar Spaß macht, mir aber nicht so sehr anspricht, wie Jazzmusik es tut. Ich möchte Jazzgesang ausprobieren und auch Saxofon unterricht bekommen- ich habe vor einem Monat ein Saxofon zum Geburtstag bekommen und freue mich schon sehr darauf, darauf spielen zu können! Es ist dem Fagott und der Blockflöte auf einiger Weisen ziemlich ähnlich, also sollte es am Anfang jedenfalls nicht zu schwierig sein! Was aber schwierig sein wird, ist die Improvisation, was natürlich eine sehr wichtige Fähigkeit ist, um gut Jazz spielen zu können- darin werde ich hoffentlich auch Unterricht bekommen. Ich bin mir nicht sicher, wie gut ich sein werde, aber jedenfalls möchte ich es unbedingt ausprobieren! So werde ich auch endlich mehr Deutsche kennen lernen, hoffe ich jedenfalls. Nächste Woche gehe ich zu einer Beratung bei der Jazzschule, und danach kann ich hoffentlich so bald wie möglich anfangen- ich freue mich schon sehr darauf :-)